Das New Work Office - André Fröhlich

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Das New Work Office

Der Kollaboration Raum geben.

New Work ist die Antwort auf eine Wirtschaft im Umbruch. Vom arbeitsteiligen Taylorismus vergangener Zeiten streben viele Unternehmen geradewegs in die dynamische Netzwerkökonomie des 21. Jahrhunderts. Die Säulen der neuen Arbeitswelt sind Digitalisierung und Vernetzung, Eigenverantwortung und Kollaboration. Folgerichtig liegt der Fokus der Investments auf den IT-Strukturen und adäquater Software. Das größte Tool für New Work, findet André Fröhlich, New Work Director der All for One Group, wird jedoch allzu häufig übersehen: die Gebäude. 

May 13, 2022 11:11:04 AM

Die Bauten so mancher Unternehmen erzählen von einer vergangenen Zeit: In langen Fluren reihen sich uniforme, abschließbare Büros aneinander. Hier funktioniert jeder Mitarbeiter als effizientes Rädchen im Getriebe einer linearen Wertschöpfung. Selbst die Hierarchie des Unternehmens ist in der Architektur manifestiert. Führungskräfte verfügen über größere Büros, vielleicht sogar mit Vorzimmern. Und in so manchem Unternehmen thront noch eine edel gestaltete Führungsetage in der obersten Etage. Womöglich mit Dachterrasse. In die Raumaufteilung eingestreute Konferenzräume sind Überbleibsel einer überholten Denkweise: Hier trifft man sich, um sich abzustimmen. Von einer Einladung zur Zusammenarbeit keine Spur.  

Was sich wie die Karikatur einer Arbeitsumgebung lesen mag, ist als Gebäudetypus tatsächlich noch häufig anzutreffen. Man bekommt die Bauten nur selten zu Gesicht, weil die Unternehmen sie nicht vorzeigen und die Wirtschaftsmedien hier keine attraktiven Foto- und Filmmotive finden. Bis man mittendrin steht und sich vor Augen führt, wie Recht der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill (1874 – 1965) hatte: „Wir formen unsere Gebäude und danach formen sie uns.“

Infrastruktur und Kultur – zwei Seiten einer Medaille

Eine adäquate Arbeitswelt für New Work entsteht nicht allein durch moderne Technologie, sondern wird erst durch eine entsprechende Raumarchitektur und Infrastruktur komplettiert. Wenn Digitalisierung und Vernetzung, Autonomie und Eigenverantwortung, Kollaboration und Teamorientierung als neuer Betriebsmodus etabliert werden, sollten die Mitarbeiter auch Räume vorfinden, in denen sie diese Kultur mit Leben füllen können.  

Die Rolle der Gebäude verändert sich dabei grundlegend. Sie sind nicht mehr der einzig mögliche „Arbeitsplatz“, sondern Anziehungs- und Identifikationspunkt. Hier erleben die Mitarbeiter, was die Unternehmen kulturell und atmosphärisch ausmacht. Hierher kommen sie, um miteinander zu interagieren und um sich mal wieder in die Augen zu schauen. So faszinierend und hilfreich Videochats und digitale Workshops sein mögen – persönliche Treffen und Gemeinschaftserlebnisse können sie nicht ersetzen.  

Moderne Gebäude begünstigen Kreativität, fördern die Kommunikation und provozieren Begegnungen. Offen gestaltete Räume und große Sichtachsen ermutigen die Menschen, längere Wege für ein persönliches Gespräch oder einen vielsprechenden persönlichen Termin auf sich zu nehmen. Sobald jedoch eine Tür im Wege ist – und das ist im Zweifel schon die eigene Bürotür – starten viele doch lieber einen Videocall oder schreiben eine E-Mail. Von Treppen ganz zu schweigen.  

Neue Möglichkeitsräume 

Der Spielraum für den architektonischen Wandel ist in vielen Unternehmen gegeben. Ganze Trakte werden von Führungskräftebüros belegt, die aber zu 40 oder 50 Prozent der Zeit leer stehen. Ihre „Bewohner“ verbringen einen Großteil ihrer Zeit in Meetings oder auf Geschäftsreisen.  

Die Erfahrung zeigt zudem, dass ohnehin 15 Prozent aller Arbeitsplätze regelmäßig verwaist sind. Und sehr wahrscheinlich ist, dass sich dieser Wert während der Coronapandemie – Stichwort Homeoffice – weiter erhöht hat. Um die Flächen optimal zu nutzen, bedarf es eines guten Plans, der die Kultur und die Arbeitsweisen des Unternehmens konzeptionell aufgreift. Es ist wie bei einem privaten Hausbau: Bevor es um Möbel und Ausstattung geht, wird die Raumaufteilung festgelegt: Wie groß sollen Küche und Esszimmer und all die anderen Räume sein? Wo liegen sie im Grundriss? Wie sind sie verbunden und welche Laufwege erscheinen günstig? Erst wenn diese Basisfragen geklärt sind, geht es um Möbel, Farben und Ausstattung. Analog dazu gilt es für New Work, in funktionalen Bedarfszonen und Möglichkeitsräumen zu denken – für Arbeit, Rückzug, Besprechung, Kollaboration und Integration.  

Typischerweise wird der Großteil einer Etage für offene Flächen genutzt. Dort finden sich die Arbeitszonen, ausgestattet mit frei wählbaren Schreibtischen. Nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Führungskräfte. Selbstredend sitzen sie in einer modernen Arbeitsumgebung inmitten ihrer Teams. Zentral sollte eine großzügige, einladende Lounge liegen. Für spontane Treffen, für informellen Austausch, für den Small Talk unter Kollegen und mit Gästen. Hinzu kommen Integrationszonen, ebenfalls offen, aber mit Besprechungstisch und Stühlen ausgestattet.  

Das New Work Office - Dreiklang im Einklang

Abbildung: Dreiklang im Einklang New Work entsteht nur, wenn Kultur, Organisation und Infrastruktur eines Unternehmens im Einklang sind.
Grafikerstellung: Allfoye Managementberatung GmbH mit Unterstützung durch Veit Quandt.

Separierte Räume gibt es nur wenige, etwa als Funktionszone mit abgetrennten Arbeitsplätzen, wenn absolute Konzentration („Deep Focus“) gefragt ist, und für Meetings. Nicht jede Besprechung lässt sich schließlich transparent auf der Fläche abhalten. Auch (wenige) Denk- und Telefonzellen für einzelne Mitarbeiter gehören ins Konzept. Zudem erfreuen sich Kinderbüros, in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Nachwuchs mitbringen können, immer größerer Beliebtheit. Hier spiegelt sich der Kultur- und Wertewandel in der Arbeitswelt, hin zu einer Work-Life-Integration von Familie und Beruf, Karriere und Kindern. 

Besonderer Bedeutung kommt der Workshop-Zone zu. Hier schlägt das Herz der modernen Arbeitswelt. So vielseitig die Workshopformate sind, so flexibel muss das Angebot dieses Bereichs angepasst werden können. Die Workshopzone ist eben kein Raum, in dem unmotiviert ein Projektor, eine Flipchart und vielleicht noch eine Metaplanwand darauf warten, benutzt zu werden. Vielmehr werden animierende, die Kreativität unterstützende Einrichtungen benötigt, mit variablen Layouts für unterschiedliche Teamgrößen und mit vielfältig einsetzbarem Equipment.  

Partizipative Planung für das New Work Office 

Wie die Elemente, die Zonen und Räume optimal bemessen, gestaltet und angeordnet werden, muss jedes Unternehmen für sich herausfinden, idealerweise in einem partizipativen Entwicklungsprozess. Dass sich das Facility Management gemeinsam mit dem Management oder einem Projektentwickler hinter verschlossenen Türen einen Plan ausdenkt, ist mit New Work nicht einmal im Ansatz vereinbar. Alle Mitarbeiter sollten in diesem Prozess mitgenommen und nach ihren Vorstellungen befragt werden. Zu klären sind zentrale Parameter: Wie entwickeln sich die Kultur und die Organisation? Welche Formen der Zusammenarbeit werden angestrebt? Welche Fähigkeiten und Kompetenzen sollen gefördert werden? Wie ist das Verhältnis von Reisenden, Kommunikatoren, Koordinatoren, Kreativen und Tüftlern in den Teams?  

Klar ist: Wer noch in Abteilungen denkt und Silos nicht auflösen mag, wird mit solchen Leitfragen zu anderen Lösungen kommen als ein Unternehmen, das seine Teams in agilen Netzwerken organisieren möchte. Letztlich müssen aber alle Unternehmen dasselbe schaffen – die Mitarbeiter mit einem attraktiven Angebot aus dem Homeoffice zu locken. 
 
Redaktionelle Unterstützung: Bettina Dornberg & Christoph Berdi (die „Identitätsstifter“) 

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